Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hillentrup

Südafrika: Zu Besuch bei Freunden

Vom 18. bis 29. Oktober war eine Delegation aus der Gemeinde zu Gast in unserer Partnergemeinde Alexandra in Südafrika. Eindrücke der Reise vermitteln drei Berichte von Teilnehmern, die hier wiedergegeben werden

Partnerschaftsreise? – Reise zu Freunden!

Von Norbert Franzen

Während wir im Anflug auf den Flughafen von Johannesburg, nach fast 20-stündiger Reise, wegen eines Gewitters noch eine Schleife drehten, warteten in der Eingangshalle bereits unsere Gastgeber. Der Regen für uns scheinbar ein Ärgernis, war für Johannesburg einer der ersten Niederschläge in 2013 und wurde als Gottes Segen herzlich begrüßt! Auch unser Empfang fiel herzlich, außergewöhnlich und erinnerungswürdig aus.

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Kaum öffnete sich vor uns die Tür, erscholl in der großen Eingangshalle auch schon ein vielstimmiger Gesang. Wie wir Reisenden – vier Jugendliche und vier Erwachsene – es uns gewünscht hatten, blieb die Musik während der gesamten zehn Tage unser stetiger Begleiter.

Was uns vielleicht anfangs noch ein wenig ungewöhnlich erschien, wurde für uns ganz normal, und nach kurzer Eingewöhnungszeit alles Andere als peinlich. Gesungen, geklatscht und getanzt wird sehr viel und zu allen Gelegenheiten. Keine Feier, bei der Musik aus der Stereoanlage notwendig gewesen wäre! Musik ist handgemacht und sehr authentisch; herausragend waren die vielen außergewöhnlichen, bemerkenswerten Stimmen!

Während wir von der Fröhlichkeit und der Musik noch ganz gefangen waren, wurde uns erst allmählich bewusst, welche historischen Momente wir in Alexandra mitverfolgen durften. Bereits am ersten Sonntag nahmen wir teil an der Umbettung der Asche von Dr. J.F. Beyers Naudé – dem ersten Weißen, der von der damaligen Apartheidsregierung unter Bann gestellt wurde – in das zum dem Zeitpunkt noch unfertige Denkmal.

Beyers Naudé, dessen Asche nach seinem Tod teils auch in Alexandra verstreut worden ist, nimmt eine exponierte Stellung im Kampf gegen das damalige Unrechtsregime ein und hat im Gedächtnis des Landes, als Weißer, der sich mit der schwarzen Mehrheit verbrüderte, einen besonderen Ehrenplatz. Gleiches gilt auch für Frikkie Conradie, der als erster Weißer in einer schwarzen Gemeinde, in Alexandra, tätig war und der der einzige Weiße ist, der auch auf dem Friedhof in Alexandra begraben liegt.

Die Begegnung mit historischen Persönlichkeiten aus der Zeit der Apartheid fand ihren Höhepunkt in der Enthüllung des Grabsteins für Muruti (Reverend) Sam Buti am Samstag. So viel mehr gäbe es zu berichten, von Gottesdiensten, Hospizen, Waisenhäusern, aber auch von Löwenparks, Soweto, Denkmälern und Pretoria! Kann es da eine kurze Quintessenz für diese Reise geben?

Kann das Erlebte in wenige Worte oder Sätze zusammengefasst werden? Die Antwort ist einfach: Nein! Die Vielzahl der tief gehenden Eindrücke lassen jeden Bericht wie eine schale Erzählung wirken! Partnerschaft lebt von den und durch die Menschen und ihre Begegnungen. Es ist wichtig, dass wir unser Verständnis füreinander festigen und die anderen Lebensumstände ganz hautnah miterleben.

So können wir auch die große Freiheit, die uns vergönnt ist, dankbar würdigen! Schön ist es, wenn sich Menschen freundlich und friedlich im Namen des Herrn begegnen können und wenn aus Fremden Freunde werden.

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Singen, tanzen, trommeln…

Von Stephan Schmidtpeter

Samstag, 19. Oktober 2013. Oliver – Tambo – Flughafen in Johannesburg. Singen, tanzen, trommeln – so laut, dass viele Besucher und Crewmitglieder von Fluggesellschaften sich umdrehen, Fotos und Videos machen. Die Besuchergruppe aus Hillentrup und Spork-Wendlinghausen wird von den Freunden und Geschwistern aus der Stadt Alexandra, nordöstlich von Johannesburg begrüßt.

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Ein erster Ausdruck von der Wiedersehensfreude, aber auch von der Fröhlichkeit und Gastfreundlichkeit der Menschen Südafrikas. So wie es am Flughafen beginnt, so wird es auch die kommenden neun Tage weitergehen.

Untergebracht bei Gastfamilien ist nur das Frühstück im kleinen Kreis. Später am Tag findet alles in der Gruppe statt: die Besuche im Waisenhaus und im Altenheim, im Apartheidmuseum und im Lionspark. Das Kennenlernen Diakonischer Projekte gehört zur Partnerschaftsarbeit, und auch ein touristisches Programm. Es geht darum, den ernsten wie den fröhlichen Alltag der Menschen rund um Johannesburg kennenzulernen.

Eine Woche später, wieder ein Samstag. Der Tag beginnt früh um kurz nach 6 Uhr. Ein kurzer, zweistündiger Gedenkgottesdienst zu Ehren des 2011 verstorbenen früheren Pastors der Kirchengemeinde Alexandra, Dr.h.c. Sam Buti. Nach dem Gottesdienst fährt eine große Gruppe der Kirchengemeinde, etwa 200 Gemeindeglieder, mit Bussen und PKW zu zwei Friedhöfen, um die Grabsteine von Sam Buti und 5 weiteren Mitgliedern seiner Familie feierlich zu enthüllen.

Gegen 12 Uhr sind alle wieder an der Kirche in Alexandra, um gemeinsam Mittag zu essen. Ein ungewöhnlicher Aufwand, nur um Grabsteine zu enthüllen? Für Europäer vielleicht, nicht für Südafrikaner. Das Gedenken der Toten ist tief kulturell verwurzelt, das Enthüllen des Grabsteines ist Gelegenheit, die Verstorbenen noch einmal zu ehren.

Und es gehört zur ungeschriebenen Pflicht der Angehörigen, auch einen Grabstein aufstellen zu lassen. In manchen Familien ist das Geld so knapp, dass dafür jahrelang gespart werden muss. Aber am Ende steht der Grabstein.

Im Gottesdienst am 27. Oktober wurden die Gastgeschenke überreicht: Als Hauptgeschenk eine Fahne, die die Partnerschaft der drei Kirchengemeinden bekräftigen soll. So wird es auch in Zukunft weitergehen, die Freunde in Südafrika planen schon, wer 2015 zur Reisegruppe gehören soll, die Spork-Wendlinghausen und Hillentrup besuchen werden.

Bei einigen steht es schon fest, andere müssen sich wohl bewerben. Das Interesse ist groß und ein Ausdruck dafür, dass die Partnerschaft lebt und noch weiter wachsen soll.

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Grenzenlose Freundlichkeit

Von Anna Franzen

Von den zehn Tagen, die wir diesen Herbst in unserer Partnergemeinde Alexandra verbringen durften, nehme ich vor allem eins mit: Die grenzenlose Freundlichkeit der Afrikaner. Für mich war es die erste Begegnung mit den Leuten aus Alexandra, und schon beim Empfang am Flughafen wurde man so herzlich begrüßt, als würde man sich schon seit einer Ewigkeit kennen. Mehr…

Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Sekunde immer willkommen und wohl gefühlt – weshalb der Abschied unglaublich schwer fiel, selbst nach so kurzer Zeit. Es wurde gesungen und getanzt für uns – nachher auch mit uns –, wie man es wahrscheinlich nirgendwo sonst erleben könnte.

Das änderte sich während unseres ganzen Aufenthalts dort nicht. Schon nach kurzer Zeit waren wir alle eng zusammengewachsen und es wurden viele (neue) Freundschaften geschlossen. Gerade die Zeit unter den Jugendlichen haben alle sehr genossen, es gab so viel zu erzählen und zu erleben. Dementsprechend schnell verflog auch die Zeit.

Auch noch zwei Wochen nach der Abreise könnte ich stundenlang erzählen und von all den neuen Erfahrungen und Eindrücken schwärmen. Umso glücklicher bin ich, dass wir alle die Möglichkeit haben, in Kontakt zu bleiben. Sei es durch Emails, Videogespräche oder das Schreiben über das Internet.

Abschließend kann ich sagen, dass meine Entscheidung, nach Alexandra zu fliegen, das Beste war, was ich machen konnte und ich mich jetzt schon riesig auf das Wiedersehen in 2015 freue.

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